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Paradox

 

Verwendung von Paradoxons in der Selbstbewertung

 

von Dr. David Lake, übersetzt von Dorothee Geray.
Herzlichen Dank für die freundliche Abdruckgenehmigung!

 

„Das eine weiß ich genau. Diejenigen unter Euch, die glücklich werden, sind die, die danach gestrebt und gelernt haben, zu dienen“ Dr. Albert Schweizer

 

Hallo an Alle,

 

David Lake, MD in Australien unterrichtet und unterhält uns gleichzeitig mit diesem gedanken­anregenden Artikel über die Verwendung von Paradoxons in der Selbstbewertung. Als Ausgangspunkt hierfür wählt er die vielfältigen Probleme, die Viele mit der Aussage „... liebe und akzeptiere ich mich voll und ganz...“ im Setup haben und geht von dort aus weiter zu den Hintergründen und Einsichten für diese Probleme. Er sagt: „Wir gehen fälschlicherweise davon aus, dass unsere Fehler und Versäumnisse gar nicht existieren dürften. Und dass sie nie Teil unseres ganzheitlichen Selbst sein können.“

 

Anschließend entwickelt David einige Schritte, um mit diesem Problem umzugehen ... und macht hierfür einige interessante Formulierungsvorschläge. Es könnte sein, dass Sie manche dieser Formulierungen übernehmen möchten.

 

Viele Grüße,

Gary

 

 

 Von David Lake, MD ...

 

„Wir werden nicht erleuchtet dadurch, dass wir uns leuchtende Figuren vorstellen, sondern dadurch, dass wir uns die Dunkelheit bewusst machen“ (C.G. Jung)

 

Dieser Beitrag beschäftigt sich damit, unsere dunkle Seite durch die Verwendung von Paradoxons anzuerkennen.

 

Bestätigung (Validation) bedeutet, etwas anzuerkennen, zu bestärken. [Laut Wörterbuch bedeutet der Begriff „Valid“, dass etwas auf Wahrheit beruht, ein Fundament besitzt. Im archaischen Sinne meint es, dass es sich um etwas Robustes, Festes handelt.] In dem Zusammenhang, um den es hier geht, bedeutet es, das Bewusstsein für das Selbst zu stärken - sowohl sich selbst gegenüber, als auch gegenüber anderen.

 

Es ist nur unsere Arbeit an uns selbst, die einen wirklichen Unterschied in unserem Verhältnis zu anderen macht. Nur bei dieser Arbeit können wir uns der gesunden Illusion einer gewissen Kontrolle hingeben.

 

In unseren Beziehungen haben wir unendliche Probleme damit, alle menschlichen Eigenschaften an unserem Partnern zu akzeptieren, aber verglichen mit den Problemen, die wir damit haben, alle unsere eigenen Eigenschaften zu akzeptieren, sind diese nahezu bedeutungslos.

 

Beschuldigen Sie Ihre engen Freunde öfter einmal, dass sie Sie schlecht kennen?

 

Wie können wir wahres Mitgefühl für andere empfinden, wenn wir uns selbst ablehnen?

 

„Nichts Menschliches ist mir fremd“ (Oskar Wilde)

 

EFT steht für Verbindung „... akzeptiere ich mich...“.  Und doch habe ich wiederholt festgestellt, dass viele Menschen zögern, bevor sie diesen Teil des Setup zum ersten Mal aussprechen sollen. Ganz offensichtlich gibt es da einen Teil in ihnen, der sich selbst eben nicht akzeptiert, wie Steve Wells kürzlich in seinem Betrag über Selbstakzeptanz darstellte. Sie können sich und ihr wahres Selbst nicht wirklich bestätigen so wie sie sind, - es würde für sie irgendwie unecht und verlogen klingen - wenn das heißt, dass auch der ganze negative und verdrängte Anteil ihrer Persönlichkeit damit gemeint sein soll.

 

Dieser Moment des Bewusstseins in der EFT- Sitzung verlangt nach einer praktischen und ausgewogenen Vorgehensweise, denn ich denke, dass es sich hier um das Grundproblem allen menschlichen Leidens handelt - der verdrängte, von seinen Gefühlen abgeschnittene und lebensfeindliche  Zustand.

 

„Nun ja, an dem Tag, an dem ich geboren wurde, muss Gott wohl krank gewesen sein“ (der Dichter Cesar Vallejo).

 

Diese dunkle Seite ist ein Paradoxon. Sie hat ihre eigene verdrehte Logik. Wenn Du Dich akzeptierst, so wie Du bist, mit all den unakzeptablen Seiten an Dir, dann bist Du ein Pharisäer, Deine Standards sind bestimmt zu niedrig und Du gibst Dir nicht genug Mühe. Sagst Du dagegen, dass Du Dich nicht akzeptierst, dann steckst Du fest in der Hoffnungslosigkeit Deines fehlerhaften Wesens und verschließt die Tür zum Wandel. Es handelt sich hier um eine Zwickmühle geradezu monströsen Ausmaßes.

 

Natürlich denkt das Bewusstsein über die ganze Sache in Schwarz/Weiß und Gut/Böse Begriffen. Aber ich bin mir sicher, dass in dieser Situation eine dunkle Wahrheit auf Heilung wartet. Ganz zu Beginn von EFT werden die Menschen mit ihrer mangelnden Selbstwertschätzung konfrontiert. Und es passt! In Beziehung zu uns selbst sind wir keine Einheit, wir sind getrennt.

 

Dieser Widerstand ist nicht logisch, vernünftig oder intellektuell - er ist zutiefst emotional und ein ganz wesentlicher Bestandteil unserer negativen Glaubenssätze.

 

Natürlich wurden wir über die Jahre hinweg darauf getrimmt und konditioniert, zu denken und zu fühlen, dass an uns etwas falsch ist - aufgrund unseres Verhaltens. „Du bist ein ungezogener Junge“ statt „Dein Benehmen ist nicht richtig“.

 

Dies ist die grundlegende Entwertung. Familiär kommt vom Wort Familie. Wir klammern uns an diese Lehren (und generalisieren Wesentliche oft auf alle Menschen) oft ein ganzes Leben lang. Dies sind unsere Regeln für „Gut“ und „Schlecht“. Die Psychotherapiebücher, die zu diesem Thema verfasst wurden, füllen ganze Regale. 

 

Die Verbindung mit unserem abgelehnten Persönlichkeitsanteil herstellen

 

Warum bemühen sich Psychotherapeuten und Freunde so sehr, unsere positiven Seiten aufzuwerten und sich um die negativen herumzulavieren oder sie wegzudiskutieren? Meiner Ansicht nach besteht die wirklich große Herausforderung darin, die „dunkle“ Seite in uns anzuerkennen: zu erkennen, was sie für uns bedeutet, und ihr legitimes Vorhandensein wie auch das damit verbundene Leiden zu akzeptieren.

 

Nur wenige Menschen erkennen, dass ihre Fehler etwas sind, was sie wirklich ihr eigen nennen können. Und das es sich dabei nicht unbedingt um „Lektionen des Lebens“ handelt, sondern schlicht um Fehler. Ein Freund von mir meinte ironisch: „Ich weiß nicht, wie viele dieser Lektionen des Lebens ich noch ertragen kann“.

 

Wir gehen fälschlicherweise davon aus, dass unsere Fehler und Unzulänglichkeiten überhaupt nicht existieren sollten. Und dass sie nie Teil unseres ganzheitlichen Selbst sein können.

 

Wenn ein Paar in meinem Behandlungszimmer herzhaft streitet, halte ich sie nicht  zurück! Ich frage sie nur in einer Kampfpause, ob dies der Natur ihrer Beziehung entspricht. Ich teile ihnen mit, dass ich ihr fein abgestimmtes System, das zwar für sie ganz gut funktionieren mag, für mich allerdings nicht nachvollziehbar ist, nicht stören will. Normalerweise passen sie ganz gut zusammen. Natürlich beschuldigt jeder Partner den anderen, dass es einfach unmöglich ist, mit ihm zusammenzuleben. So ist die Beziehung. Also, „Wo liegt Euer Problem?“

 

Ich akzeptiere ihre „Fehler“, während ich stillschweigend versuche, sie zu einer Änderung ihres Verhaltens zu ermutigen. Aber wenn sie das nicht tun oder nicht wollen - so ist das Leben. [Anm. David Lake: Wer bin ich denn, meine Vorstellungen von Freundschaft und Beziehung einem Paar aufdrängen zu wollen, das so offensichtlich zwei andere Menschen davor bewahrt, ähnliche Partnerschaftsmartyrien auf sich nehmen zu müssen?].

 

Der erste Schlüssel zur Veränderung ist die Bewusstwerdung

 

„Im Ansatz der FOCUSING-Methode mit ihrer totalen Akzeptanz von allem, ohne Bewertung, ohne Festlegung,  nur mit der Bereitschaft, sich auf alles einzulassen, was kommt, liegt für mich der entscheidende Faktor, und das ist es, was ich meinen Klienten nahe bringen will“ (Christel Kraft).

 

Das meiste Leid in einer Beziehung wird dadurch verursacht, dass jemand die vergifteten Gefühle der Entfremdung von sich selbst hervorruft.

 

Menschen hassen es, wenn sie kritisiert werden - ganz besonders in engen Beziehungen - weil dies ihr negatives Gefühl sich selbst gegenüber noch verstärkt.

 

Der zweite Schlüssel besteht darin, dieses Bewusstsein zuzulassen

 

Wir können zu diesem dunklen Part unseres Selbst „ja“ sagen, anstatt „nein“ zu sagen zu den Traumen, die es repräsentiert (mein Dank geht an Tapas Fleming für die Grundzüge dieser Idee). Wir bringen es ans Tageslicht, - in die Frontlinie unseres Bewusstseins -, wo es langsam verblasst. Nur Geheimhaltung, Angst, Scham und Verletzung ernähren es und halten es lebendig. Da ist diese tiefsitzende Angst in uns, dass unsere Dunkle Seite das Regiment übernehmen wird, wenn wir sie lassen, dass sie uns überwuchern wird. Mit Hilfe der klugen und nachhaltigen Anwendung von EFT habe ich dies noch nie erlebt.

 

Der dritte Schlüssel besteht darin, sich mit Hilfe von EFT an die Dunkle Seite heranzuschleichen

 

Dies ist wie psychologisches Aikido. Stellen Sie sich nur mal vor, fröhlich und beschwert mit all diesen Fehlern umzugehen...

 

„Ich bin nicht o.k. und Du bist nicht o.k., aber was soll’s, wir sind o.k.!“

(Mafia Selbsthilfe-Manual)

 

In der klinischen Arbeit, die Steve Wells und ich gemacht haben, indem wir negative Glaubenssätze mit Humor und Paradoxons „stimulierten" (während wir emsig EFT anwendeten), haben wir überproportionale Erfolge und Ergebnisse erzielt, vor allem die Erlösung von dem sanften Druck, immer nur in einer „Richtung“ (in der Regel positiv) von der Welt denken zu dürfen, und einer fröhlich-ironischen Haltung (das ist das Gegenteil von Zynismus) - die sich als gesunden Respekt vor persönlichen Fehlern und Einschränkungen ausdrückt. Dies führt zur Aussöhnung mit sich selbst und zu einem Gefühl der Ganzheit.

 

„Ich bin eine Baustelle“ sagte ein amüsierter Workshopteilnehmer.

 

EFT Allgemein

 

Manchmal kann man das Hauptproblem direkt angehen, indem man den Erinnerungssatz  folgendermaßen (in Großbuchstaben) aufbaut:

 

·      Ich akzeptiere mich selbst mit all meinen fehlern und unzulänglichkeiten

 

·      Ich akzeptiere mich selbst,auch wenn ich mich nicht akzeptiere

 

·      Ich akzeptiere mich selbst, auch wenn mir nichts gelingt.

 

·      Ich weiß, das ich nicht gut genug bin, auch wenn andere das Gegenteil behaupten, und ich akzeptiere mich trotzdem.

 

Aufarbeitung des Problems

 

Ich nutze die Setup-Phase, um das Problem kreativ aufzuarbeiten, und anschließend paradoxe Suggestionen - als Variationen des Themas - einzuflechten, während die Punkte beklopft werden.

 

·    Auch wenn ich ein langsamer Lerner bin .... alles durch die rosa Brille sehe .... unbeholfen durch’s Leben stolpere ....
 

·      Ich war das gar nicht, es war mein bösartiger Zwilling, der es getan hat.

 

 

Übertreibung und Ironie

 

Auf unbeschwerte Weise benutze ich die Worte schrecklich, furchtbar und unerträglich als Adjektive, um das Problem quasi noch aufzublasen und damit anscheinend aus einem Maulwurfshügel einen veritablen Berg zu machen.

 

·      Auch wenn ich so einen schrecklichen Partner habe ... und es wirklich nicht auszuhalten ist mit ihm .... tue ich alles, was ich kann.
 

·      Ich werde vielleicht niemals darüber hinwegkommen ...
 

·      Das könnte noch viel schlimmer werden, als ich es mir vorgestellt habe ...
 

·      Die ersten 40 Jahre sind am schwierigsten ...

 

Eine paradoxe Herangehensweise an ein paradoxes Problem

 

„Auch wenn ich mich nicht akzeptieren kann, akzeptiere ich, dass ich mich nicht akzeptieren kann und so kann ich doch immerhin akzeptieren, dass ich mich nicht akzeptiere“

(Dr. Alexander Lees) [Anm. David Lake: dies ist eine brillante Formulierung - ich wollte, ich hätte sie selbst erfunden].

 

Dieses Statement zeigt die Möglichkeit, dass das Positive und das Negative einträchtig nebeneinander bestehen können. Es gibt einen Unterschied zwischen einer ausgeglichenen und einer perfekten Persönlichkeit.

 

·        Ich werfe mir vor, dass ich mir Vorwürfe mache - was ich nicht tue

·        Ich bin die Einzige, die mit mir so reden darf!

 

In Beziehung auf Ehemänner: Er mag nichts Tolles sein - aber er ist mein! (Frank Farrelly)

 

Polarisierung

Ich empfehle Ihnen, sich die Arbeitsweise des Gehirns zu Nutze zu machen, indem Sie Ihre negativen Gefühle, die Sie wahrnehmen, ausdrücken und dann, durch die paradoxe Verwendung von EFT das positive Gegenteil hinzufügen.

 

Erinnerungssatz: Ich akzeptiere mich ganz und gar nicht - aus einer Vielzahl von Gründen - aber ich tu es doch!

 

Oder andersherum (vom Positiven zum Negativen)

 

Erinnerungssatz: Ich bin wirklich ein netter Mensch - tierlieb - aber das bin nicht ich! 

 

Abwechselndes Beklopfen von Gut und Böse

 

·        1. Punkt: „Ich bin ein guter Mensch“

·        2. Punkt: „Aber nicht immer“

·        3. Punkt: „Ich tu mein Bestes“

·        4. Punkt: „Aber es reicht wirklich nicht“

·        5. Punkt: „Aber ich bemühe mich weiter“

·        etc.

 

Das Negative

Mit dieser Wortwahl wird das Negative immer wieder direkt angesprochen, bzw. das Positive, das Sie so gerne erreichen würden (und doch nicht erreichen zu können glauben) und ich finde mit EFT entwickelt es eine Hebelwirkung.

 

Ich lege großen Wert darauf, bei meiner Arbeit mit Klienten auch mit negativen Statements zu arbeiten und dann ausgiebig die Assoziationen und Gedanken, die im Zusammenhang damit hochkommen, zu bearbeiten. Für den Klienten „spreche ich das Unaussprechliche aus“ und „denke das Undenkbare“ (ganz nach den Lehren der Provokationstheorie), wenn ich ein sehr harmonisches Verhältnis zu ihm habe. Der Effekt, das Negative zu stimulieren, ist intensiv und konstruktiv - das paradoxe Wunder der Energietherapie. Ich bevorzuge es, leicht erreichbare Punkte durchgehend zu klopfen, während ich in dieser Weise vorgehe.

 

Sehr häufig fehlen die Worte, aber es gibt viele verletzte Gefühle, die aus einem Mangel an Wertschätzung in der Vergangenheit herrühren. Hier empfiehlt es sich, mit den körperlichen Symptomen zu arbeiten (z. B: „dieses unangenehme Gefühl in der Magengegend“), wenn man sie herausarbeiten kann („Wenn dieses Gefühl einen bestimmten Platz in Ihrem Körper hätte, welcher würde das sein?“) und falls es so leichter ist.  

 

Bearbeiten Sie die mit diesen Grundüberzeugungen verbundenen Erinnerungen, Erfahrungen und Eindrücke nachhaltig mit EFT, um sie wirklich gründlich zu verändern. Die Auswirkungen bestimmter Ereignisse zu heilen und zu neutralisieren, kann das ganze Leben verändern. Auch wenn ich denke, dass die Auswirkungen des dem Leben abgewandten Anteils des Selbst sich nie ganz beseitigen lassen, so sollten wir mit der richtigen Herangehensweise doch wenigstens verhindern können, dass sie unser Leben beherrschen. Es ist einsam, wenn man sein eigener Therapeut ist, wenn Sie also feststellen, dass sie Ihren persönlichen Mount Everest vor sich haben - holen Sie sich Hilfe.

 

Larry Nims sagt, dass wir entsprechend unserer Ausbildung, unserer Prägung durch Erziehung und Gesellschaft und früher Lebenserfahrungen „das Beste tun, was wir können“. EFT und die Energietherapie hat das Potential, Ihre selbst entwertenden Wahrnehmungen dauerhaft und gründlich zu zerstören und zu beseitigen.  

EFT hilft Ihnen, Ihr wahres Selbst zu finden.

 

David Lake, MD

 

 

  

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Weitere interessante Artikel und noch viel mehr Informationen finden Sie auf der deutschen EFT-Referenzseite von Robert Rother von Robert Rother www.eft-info.com,

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